10.06.2009 - TURBINE POTSDAM - DEUTSCHER MEISTER 2009
Potsdam (nb) - Mit einem sensationellen Endspurt sicherte sich die Mannschaft des 1. FFC Turbine Potsdam am letzten Spieltag der Saison 2008/09 völlig unerwartet den Deutschen Meistertitel 2009.
Vor dem Spiel gegen den VfL Wolfsburg hatten die „Turbinen“ aufgrund der um einen Treffer besseren Torbilanz im Vergleich zum mit gleicher Punktzahl Zweitplatzierten FC Bayern München an der Tabellenspitze gestanden. Ein hauchdünner Vorsprung, an dessen Verteidigung kaum jemand im Potsdamer Team ernsthaft geglaubt hatte. Mit Kampf und Leidenschaft zeigte Turbine Potsdam gegen die „Wölfinnen“ im heimischen Karl-Liebknecht-Stadion vor einer tollen Kulisse von über 2500 Zuschauern eine seiner besten Saisonleistungen. Spielführerin Jennifer Zietz traf mit einem verwandelten Foulelfmeter kurz vor der Halbzeitpause zum 1:0, nach dem Seitenwechsel erzielten Tabea Kemme (56.) und Anja Mittag (62.) die Treffer zum 3:0-Endstand, der wenig später die „Turbinen“ in den kollektiven Meisterrausch versetzen sollte.
Dabei hieß es nach dem Abpfiff zunächst noch die „acht schlimmsten Minuten des gesamten Fußballlebens“ zu überstehen, wie der brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck in seiner Glückwunschrede am späteren Abend treffend formulierte. Denn während in Potsdam bereits abgepfiffen worden war, lief das Spiel des direkten Konkurrenten um die Meisterschaft – des FC Bayern München – noch. Die Münchnerinnen führten gegen den bereits abgestiegenen TSV Crailsheim ebenfalls 3:0. Bei diesem Stand lagen die „Torbienen“ immer noch hauchdünn vor dem FC Bayern München. Nun hieß es bis zum Abpfiff in Crailsheim zittern, würde Bayern noch den einen, entscheidenden Treffer zum Meistertitel 2009 erzielen? Nach quälend langen Minuten verkündete Stadionsprecher Hartmut Behrenwald schließlich die frohe Botschaft, die den kollektiven Jubelrausch von knapp 2600 Anwesenden im „Karli“ auslöste: „Der 1. FFC Turbine Potsdam ist Deutscher Meister 2009!“
Margit Stoppa, Vorsitzende des Ausschusses für Frauen- und Mädchenfußball und Spielleiterin der Frauen-Bundesliga, sowie Kathrin Nicklas vom Ausschuss für Frauen- und Mädchenfußball überreichten schließlich als Repräsentanten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) die neu geschaffene Original-Meisterschale an den frischgebackenen Deutschen Meister Turbine Potsdam.
„Das sind Emotionen, die ich lange nicht mehr erlebt habe“, war Turbines Torschützenkönigin Anja Mittag, die mit insgesamt 21 Saisontreffern maßgeblichen Anteil am Turbine-Erfolg hat, nach dem Meistertitel überglücklich. „Diesen Erfolg hatte unserer noch sehr jungen Mannschaft niemand zugetraut – und das ist das Besondere an diesem Titel“.
„Ich kann es überhaupt nicht fassen“, fand Turbine-Trainer Bernd Schröder noch Minuten und Stunden nach dem Abpfiff der Partie gegen den VfL Wolfsburg kaum Worte, den Triumph zu beschreiben. Nach den Meistertiteln der Jahre 2004 und 2006 sicherten sich die Potsdamerinnen den nationalen Titel bereits das dritte Mal. Laut Bernd Schröder ist es „der wertvollste, da er völlig überraschend kam“. Tatsächlich wollte der 66-Jährige mit seinem Team, welches mit 20,4 Jahren den jüngsten Altersschnitt der gesamten Liga aufweist, erst im WM-Jahr 2011 um die Meisterschaft spielen. In der nun beendeten Saison hatte Schröder zuletzt den Startplatz in der Champions League 2009/10 als Ziel ausgeschrieben, wofür aufgrund des UEFA-Cup-Sieges des FCR Duisburg auch der zweite Platz der Abschlusstabelle genügt hätte.